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Staatsregierung macht sich zum Steigbügelhalter der Atomkonzerne

Veröffentlicht am 06.09.2010 in Allgemein

- Sicherheit bleibt völlig auf der Strecke -

Nach dem Atomkompromiss der schwarz-gelben Bundesregierung sollen die sieben Kernkraftwerke, die vor 1981 ans Netz gingen, eine Laufzeitverlängerung von acht Jahren erhalten. Die Laufzeit der übrigen zehn Meiler wurde sogar um 14 Jahre verlängert. Dazu die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Christa Naaß: „Von einem Kompromiss kann gar keine Rede sein. Bundeswirtschaftsminister Brüderle und die Hardliner in der Regierungskoalition haben sich nahezu vollständig durchgesetzt. In den Chefetagen der vier Atomkonzerne knallten gestern Abend die Sektkorken".

Von den fünf bayerischen Reaktoren fällt nur Isar I unter die 8-Jahres-Regelung. Die anderen vier Meiler bleiben jeweils 14 Jahre länger am Netz. Damit ergeben sich – ohne Berücksichtigung längerer Stillstände oder Reststrommengenübertragungen – folgende Laufzeiten für die bayerischen Kernkraftwerke:
- Isar I bis 2019
- Grafenrheinfeld bis 2028
- Gundremmingen B bis 2029
- Gundremmingen C bis 2030
- Isar II bis 2034

Als „völlig unverantwortlich" bezeichnet es Naaß, dass die Reaktoren nun doch nicht gegen Terrorangriffe aus der Luft nachgerüstet werden müssen. „Auch hier hat sich die schwarz-gelbe Bundesregierung ganz auf die Seite der Atomkonzerne und gegen die Bevölkerung gestellt. Die Sicherheit bleibt beim jetzt gefundenen Kompromiss völlig auf der Strecke. Die alten Siedewasserreaktoren wie Isar I sind noch nicht einmal gegen den Aufprall eines Passagierflugzeugs vom Typ A320 geschützt. Dabei liegt Isar I mitten in der Einflugschneise des Münchner Flughafens".

Völlig unverständlich ist für die Haundorfer Abgeordnete, wie die Bayerische Staatsregierung einem solchen Kompromiss zustimmen konnte. Die Laufzeitverlängerungen konterkarieren zudem jegliche Bemühungen um eine fortschrittliche Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien. Durch den wachsenden Anteil von Wind- und Solarstrom steigen die Anforderungen an die Flexibilität der Kraftwerke durch immer mehr An- und Abfahrvorgänge erheblich. Genau dazu sind aber Kernkraftwerke, die auf wechselnde Anforderungen gar nicht oder nur mit einer unsinnigen Zeitverzögerung reagieren können, nicht in der Lage. Laufzeitverlängerungen der Kernkraftwerke sind daher nicht nur nicht notwendig, sondern sogar kontraproduktiv. Sie passen einfach nicht zu den Anforderungen des flexiblen Kraftwerksparks der Zukunft. Mit dem Festhalten an der Atomenergie und der bisherigen Energieversorgungsstruktur werden wichtige Investitionen für Erneuerbare Energien verhindert. Die geplante Laufzeitverlängerung mindert aber auch den Druck zu Energieeinsparungen und einer Steigerung der Energieeffizienz.

Homepage Christa Naaß, Bezirkstag

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