
Christa Naaß mit der tschech. Arbeits- und Sozialministerin Michaela Marksova und Volkmar Halbleib, MdL
Marienbad: Unter dem Motto „Menschenrechte ohne Grenzen“ hatte der Sudetendeutsche Rat zu seinem traditionellen „Marienbader Gesprächen“ eingeladen.
Generalsekretärin Christa Naaß, die das Wochenende vorbereitet und organisiert hatte, wies zu Beginn darauf hin, dass der Sudetendeutsche Rat vor 60 Jahren gegründet wurde. Er versteht sich als Schnittstelle der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die die Hälfte der 30 Mitglieder stellt, und den im Bundestag vertretenen Parteien, die entsprechend ihrer Stärke im Bundestag die andere Hälfte besetzen.
Die ehemalige Landtagsabgeordnete konnte in Marienbad über 50 Teilnehmer aus Tschechien, Deutschland und Österreich begrüßen. Besonders erfreut war die Generalsekretärin über die Teilnahme der tschechischen Ministerin für Arbeit und Sozialwesen, Michaela Marksová (CSSD).
Christa Naaß hob die Bedeutung des Sudetendeutschen Rates im Verhältnis Deutschlands und Tschechiens hervor, die nach ihren Ausführungen in den letzten Jahren wieder zugenommen hat. So veranstaltete der Rat vor wenigen Wochen den ersten Parlamentarischen Abend in der Bayerischen Vertretung in Berlin.
Das Tauwetter in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern Tschechien und Bayern wurde vom Sudetendeutschen Rat mit eingeleitet und begleitet. Dazu gehören z.B. auch der Besuch der tschechischen Arbeits- und Sozialministerin Michaela Marksová im Hessischen Landtag beim Festakt anlässlich des 65. Jahrestages des Wiesbadener Abkommens vor wenigen Tagen und der Besuch des tschechischen Vizepremiers Dr. Pavel Belobrádek in München.
Erfreut zeigte sich Christa Naaß von der Satzungsänderung der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Der Sudetendeutsche Rat wird die Sudetendeutsche Landsmannschaft auf dem eingeschlagenen Weg in die Zukunft unterstützen.
Traditionsgemäß begrüßte der neu gewählte Marienbader Bürgermeister Petr Třešnák die Gäste des Sudetendeutschen Rates – ein 32jähriger, der den Piraten angehört.
Leidenschaftlich und ohne Berührungsängste setzte sich die tschechische Arbeits- und Sozialministerin Michaela Marksová für die deutsch-tschechische Zusammenarbeit und Aussöhnung ein. Vor allem aus den Reihen der Kommunisten, die in der Tschechischen Republik immer noch bis zu 20 Prozent der Bevölkerung hinter sich haben, wird der Normalisierungsprozess gestört. Das gilt auch für Teile der ODS.
Hochinteressant waren auch die Referate der beiden ehemaligen Mitglieder des Europäischen Parlaments Bernd Posselt (CSU) als Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und von Milan Horácek (GRÜNE), dem Karlspreisträger 2014. Weitere hochkarätige Referenten aus Politik und Wissenschaft beschäftigten sich zweieinhalb Tage mit dem Verhältnis der Tschechen und Deutschen, wie das Mitglied des Tschechischen Parlaments Nina Nováková (TOP 09), der Abgeordnete des Südmährischen Regionalparlaments David Macek (KDU-CSL) oder die Vertreterin der GRÜNEN im Prager Stadtparlament Monika Horáková.
Nach einer Einführung in die jüdische Geschichte von Marienbad Prof. Dr. Rudolf Grulich und Besuch des dortigen jüdischen Friedhofs stellte die Generalsekretärin den Internetauftritt des Sudetendeutschen Rates vor: www.sudetendeutscher-rat.de.

