MdL Christa Naaß zu 100 Jahre Frauentag am 08. März 2011
Es handele sich um „die wuchtigste Demonstration für die Gleichberechtigung der Frau, die die Welt bis jetzt gesehen hat“, schrieb die Sozialdemokratin und Frauen-rechtlerin Clara Zetkin, die den Stein für den Internationalen Frauentag ins Rollen gebracht hatte. „Eine Million Frauen gingen vor 100 Jahren auf die Straße, um für Gleichbehandlung zu demonstrieren“, erinnert die Landtagsabgeordnete und mittelfränkische SPD-Bezirksvorsitzende Christa Naaß. Die zentralen Forderungen der Sozialdemokratinnen und Gewerkschafterinnen von damals waren: Gleiches Wahl-recht, gleicher Lohn für gleiche Arbeit sowie die Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes für Frauen.
„Jetzt, 100 Jahre später ist zwar die formale rechtliche Gleichstellung erreicht“, so MdL Christa Naaß, „die tatsächliche allerdings noch nicht.“ Ein partnerschaftliches Miteinander von Frauen und Männern am Arbeitsplatz setzt gleiche Bezahlung für gleiche Leistung voraus. In Deutschland verdienen jedoch Frauen 23 % weniger als Männer. Der europäische Durchschnitt liegt bei 17,4 Prozent.
Frauen haben bessere und höhere Bildungsabschlüsse als Männer, finden jedoch beispielsweise nach dem Studienabschluss schlechtere Beschäftigungsverhältnisse vor als Männer, sind häufiger arbeitslos und arbeiten öfter in befristeten Beschäftigungsverhältnissen. „Die berufliche Entfaltung und Fortentwicklung steht den Frauen theoretisch offen“, führt die Vorsitzende der SPD-Frauen (AsF) Monika Wopperer aus, „tatsächlich beträgt der Frauenanteil im höheren Dienst jedoch nur 30 %, nur 11 % der Professoren und 6 Prozent der Chefärzte sind Frauen und in den Aufsichtsräten sitzen nur 3 Prozent Frauen. Angesichts fehlender Kinderbetreuungseinrichtungen müssen viele Frauen immer noch zwischen Kindern und Karriere entscheiden und arbeiten oft nur in Teilzeit.“
Daher fordert Landtagsabgeordnete Naaß: „Die Wirtschaft sollte Frauen endlich als Chance begreifen. Zudem muss Führen in Teilzeit im Öffentlichen Dienst aber auch in der Privatwirtschaft besser möglich sein. Wir brauchen nicht nur die gesetzliche Quote von mindestens 40 Prozent für Aufsichtsräte und Vorstände, sondern auch eine partnerschaftliche Teilung von Familien- und Berufsarbeit und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung“, so Christa Naaß.
Nur mit der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, Rückführung statt Förde-rung der sogenannten Minijobs, ein gesetzlicher Anspruch auf Entgeltgleichheit bei gleichwertiger Arbeit und der Abschaffung des Ehegattensplittings kann die Ungleichbehandlung und vor allem Frauenarmut beseitigt werden.
„Nach 100 Jahren fordern Frauen mit Recht ein, nun endlich die wirkliche Gleichstellung zu erhalten“, stellt Monika Wopperer klar, „denn ohne Gleichstellung kein Fortschritt“.